Stadtwerke öffnen Türen für Nachwuchs

Stadtwerke öffnen Türen für Nachwuchs
Stadtwerke Norderstedt - Quelle: noa4

Norderstedt – Funken sprühen beim Schweißen, an der nächsten Station werden Kabel verbunden und wenige Meter weiter Glasfasern gespleißt. Beim Azubi-Tag der Stadtwerke Norderstedt konnten Jugendliche nicht nur zusehen, sondern viele Arbeiten selbst ausprobieren. Rund 40 bis 50 junge Menschen nutzten am Sonnabend, 26. September, die Gelegenheit, den Betrieb und seine Ausbildungsmöglichkeiten kennenzulernen.

Ausprobieren statt nur zuhören

Einmal im Jahr öffnen die Stadtwerke ihre Ausbildungswerkstätten für potenzielle Nachwuchskräfte. Ausbilder und aktuelle Azubis begleiten die Jugendlichen durch die verschiedenen Bereiche, erklären die Aufgaben und beantworten Fragen zum Bewerbungsverfahren und zum Arbeitsalltag.

„Wir wollen den jungen Leuten die Möglichkeit geben, unseren Betrieb kennenzulernen, die Ausbildungsberufe zu erleben und einen besseren Einblick in die Ausbildung zu bekommen“, sagt Christiane Lucas, Ansprechpartnerin für Personalmanagement und Ausbildung.

Das Angebot ist breit gefächert. Vorgestellt wurden unter anderem die Ausbildungen in der Anlagenmechanik, der Elektronik für Betriebstechnik, der IT-Systemelektronik, der Kfz-Mechatronik, im Dialogmarketing und im kaufmännischen Bereich. Hinzu kommen duale Studiengänge wie Wirtschaftsingenieurwesen, Green Technology, Elektrotechnik und Informationstechnik sowie Angewandte Künstliche Intelligenz.

Rund 60 Nachwuchskräfte im Azubi-Team

Die Stadtwerke Norderstedt gehören zu den großen Ausbildungsbetrieben der Region. Rund 60 junge Menschen befinden sich derzeit im Azubi-Team der Unternehmensgruppe. Allein im August 2026 haben 20 neue Auszubildende und dual Studierende ihren Berufsweg bei den Stadtwerken, bei wilhelm.tel oder im ARRIBA Erlebnisbad begonnen.

Wer hier eine Ausbildung beginnt, lernt einen Betrieb kennen, der an vielen Stellen zum Norderstedter Alltag gehört. Die Unternehmensgruppe versorgt die Stadt mit Energie und Wasser, betreibt Telekommunikationsnetze und trägt mit dem ARRIBA Erlebnisbad und dem Stadtpark zu den Freizeitangeboten in Norderstedt bei. Damit arbeiten die Nachwuchskräfte an einer Infrastruktur mit, die von vielen Menschen täglich genutzt wird.

Zur Ausbildung gehören neben der fachlichen Arbeit auch gemeinsame Einführungstage, eigenständige Projekte und zusätzliche Qualifikationen. Die Stadtwerke tragen zudem das Gütesiegel „Best Place to Learn“, mit dem die Ausbildungsqualität des Unternehmens ausgezeichnet wurde.

Handwerkliche Berufe bleiben gefragt

Wie sicher ist ein technischer Beruf in einer Zeit, in der künstliche Intelligenz und Automatisierung immer mehr Arbeitsbereiche verändern? Auch diese Frage beschäftigt die Jugendlichen. Stefan Bäumler, Ausbildungsleiter im technischen Bereich, sieht für handwerklich ausgebildete Fachkräfte weiterhin gute Perspektiven.

„Vieles ist immer noch handwerklich. Man muss mit den Händen arbeiten. Da sehe ich auch in nächster Zukunft einen sicheren Arbeitsplatz“, sagt Bäumler. Eine vollständige Verdrängung der Beschäftigten durch neue Technik erwartet er nicht: „Ich sehe momentan nicht, dass irgendwelche humanoiden Roboter uns den Job streitig machen.“

Beim Azubi-Tag wird deutlich, was damit gemeint ist. Unter Anleitung können die Jugendlichen schweißen, löten, Kabel miteinander verbinden oder Glasfasern spleißen. So bekommen sie ein Gefühl dafür, ob ihnen die Arbeit liegt. Gleichzeitig erfahren sie, welche schulischen Kenntnisse und persönlichen Eigenschaften für eine Ausbildung wichtig sind. Gefragt sind vor allem technisches Interesse, Aufmerksamkeit, Teamfähigkeit und die Bereitschaft, Neues zu lernen.

Erste Erfahrungen an der Werkbank

Der 18-jährige Alex Reimer besucht die zwölfte Klasse und möchte sich rechtzeitig über seine Möglichkeiten informieren. Besonders interessieren ihn Elektrotechnik und Informatik. In der Werkstatt konnte er unter anderem Glasfasern spleißen und löten.

„Das war sehr interessant und etwas, was man zu Hause nicht einfach machen kann“, sagt der Schüler. Für ihn bietet der Tag die Gelegenheit, einen realistischen Eindruck von den verschiedenen Berufen zu bekommen, lange bevor die erste Bewerbung verschickt werden muss.

Auch der 16-jährige Mika Grähn kennt den Betrieb bereits. Sein Onkel arbeitet bei den Stadtwerken, zudem hat der Jugendliche dort schon zwei Praktika absolviert. Dabei ist aus einer ersten Neugier ein konkretes Interesse an einer technischen Ausbildung entstanden.

Vom Besucher zum Auszubildenden

Dass der Azubi-Tag tatsächlich der Beginn eines beruflichen Weges sein kann, zeigt das Beispiel von Jamilia Lux. Die 22-Jährige besuchte die Veranstaltung im vergangenen Jahr selbst, um sich über ihre Möglichkeiten zu informieren. Der Einblick in die verschiedenen Abteilungen überzeugte sie. Sie bewarb sich und absolviert inzwischen ihr erstes Ausbildungsjahr zur Industriekauffrau.

In diesem Jahr steht sie nun auf der anderen Seite. Sie beantwortet die Fragen der Besucher und erinnert sich dabei an ihre eigene Aufregung. Besonders schätzt sie das Gemeinschaftsgefühl im Unternehmen und die Möglichkeit, während ihrer Ausbildung unterschiedliche Arbeitsbereiche kennenzulernen.„Man ist hier eine richtige Gemeinschaft. Man kommt mit allen super klar und kommt gerne zur Arbeit“, sagt Lux.

Viele freie Ausbildungsplätze in Schleswig-Holstein

Die Chancen auf einen Ausbildungsplatz sind für Jugendliche in Schleswig-Holstein grundsätzlich gut. Im August 2026 waren nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit landesweit noch 4095 Ausbildungsstellen unbesetzt. Gleichzeitig suchten 3653 gemeldete Bewerber weiterhin einen Platz. Besonders im Handwerk und im Einzelhandel fehlte weiterhin Nachwuchs. Auch für Anlagenmechaniker und Elektroniker waren zahlreiche Stellen offen.

Die Zahlen zeigen allerdings auch, dass Angebot und Nachfrage nicht immer zusammenpassen. Umso wichtiger sind Veranstaltungen, bei denen Jugendliche Berufe praktisch erleben und direkt mit Beschäftigten sprechen können. Der Azubi-Tag bringt beide Seiten zusammen: junge Menschen auf der Suche nach Orientierung und einen Ausbildungsbetrieb, der qualifizierten Nachwuchs für die Zukunft benötigt.

Die Stadtwerke möchten pro Ausbildungsjahr rund 20 neue Auszubildende und dual Studierende einstellen. Bewerbungen für den Ausbildungsstart 2027 sind bereits möglich. Die Plätze sollen möglichst bis zum Ende dieses Jahres vergeben werden.