Norderstedterin gestaltet Bus für mehr Zivilcourage

Norderstedterin gestaltet Bus für mehr Zivilcourage
Der von Lena Kaschner gestaltete Linienbus soll künftig in der Metropolregion Hamburg unterwegs sein. Mit ihrem Entwurf setzte sich die 16-Jährige beim PaintBus-Wettbewerb des hvv gegen 41 weitere Einsendungen durch.

Norderstedt – Aus einer Zeichnung im Kunstunterricht ist ein echter Linienbus geworden. Die 16-jährige Lena Kaschner von der Gemeinschaftsschule Ossenmoorpark hat den PaintBus-Wettbewerb des Hamburger Verkehrsverbunds (hvv) gewonnen. Ihr Entwurf setzte sich gegen 41 weitere Einsendungen aus insgesamt vier Schulen durch. Am Dienstag wurde der fertig gestaltete Bus auf dem Schulhof präsentiert.

Für Lena Kaschner ist der Erfolg selbst noch etwas schwer zu glauben. „Ich bin total überrascht, ich habe es null erwartet“, sagt die 16-Jährige. Ihr Entwurf entstand zunächst im Gestaltungsunterricht. Später arbeitete sie gemeinsam mit dem Künstler Kai Teschner daran weiter. Die Zeichnung wurde an die großen Flächen des Fahrzeugs angepasst, auf Folie übertragen und schließlich auf dem Bus angebracht.

Hinter dem Wettbewerb steckt ein besonderes Jubiläum. Seit Bestehen der Aktion wurden inzwischen 10.000 Jugendliche zu Bus-Engeln geschult. Anlässlich dieser Marke riefen die hvv Schulprojekte den Wettbewerb unter dem Motto „Bringt es auf den Bus“ aus. Gesucht wurde eine Gestaltung, die ein Zeichen für Zivilcourage setzt.

Florian Kapel, Bildungsreferent bei den hvv Schulprojekten, war an der Umsetzung beteiligt. Lenas Entwurf habe die Jury vor allem durch seine Gestaltung, die Aussage und die plakative Wirkung überzeugt. Nach ihrem Sieg bekam die Schülerin die Möglichkeit, ihre ursprüngliche Zeichnung gemeinsam mit Kai Teschner für den Bus weiterzuentwickeln.

Dass ausgerechnet ein Linienbus die Botschaft transportiert, ist kein Zufall. Bei der Aktion Bus-Engel geht es darum, junge Menschen auf Konfliktsituationen im öffentlichen Raum und insbesondere im Nahverkehr vorzubereiten. Die Jugendlichen sollen lernen, nicht einfach wegzusehen, gleichzeitig aber auch die eigene Sicherheit im Blick zu behalten.

Dr. Britta Oehlrich, kaufmännische Geschäftsführerin von vhh.mobility, sieht darin einen wichtigen Beitrag für den Alltag im öffentlichen Nahverkehr. „Zivilcourage, Mut, Reflexion sind total wichtig im ÖPNV“, sagt Oehlrich. Ziel sei es, einen möglichst sicheren Busverkehr zu ermöglichen. Die Bus-Engel könnten bereits früh für schwierige Situationen sensibilisiert werden.

Davon profitiere auch das Fahrpersonal. „Das entlastet sehr die Kollegen und Kolleginnen“, erklärt Oehlrich. Im Bus komme es immer wieder zu Konflikten. Wenn Jugendliche gelernt hätten, Situationen zu erkennen und einzuschätzen, könne das auch den Fahrerinnen und Fahrern helfen. Dabei gehe es nicht darum, sich in jede Auseinandersetzung einzumischen. Schon wahrzunehmen, was gerade passiert und die eigene Reaktion abzuwägen, sei ein wichtiger erster Schritt.

Finanziert wird die Aktion von den Kreisen Pinneberg und Segeberg. Claudius Mozer, Geschäftsführer der SVG Südwestholstein, sieht gerade bei jungen Menschen großes Potenzial. „Die Jugendlichen sind Multiplikatoren“, sagt Mozer. Freundliches und gewaltfreies Verhalten werde früh geprägt. Genau deshalb sei die Aktion bereits vor mehr als zwei Jahrzehnten ins Leben gerufen worden: „Mit so was kann man gar nicht früh genug anfangen.“

Wie Jugendliche in solchen Situationen konkret reagieren können, lernen sie in Trainings und Workshops. Anja Ständer, Deeskalationstrainerin bei den Bus-Engeln, begleitet die Aktion seit mehr als zwei Jahrzehnten. Die Jugendlichen bekommen unterschiedliche Handlungsmöglichkeiten für Konfliktsituationen an die Hand. „Wir versuchen, die zu ermutigen, einfach handlungsfähiger zu sein“, sagt Ständer. Gleichzeitig müssten sie erkennen, wann eine Grenze erreicht sei. Niemand solle sich beim Versuch zu helfen selbst in Gefahr bringen.

Auch Themen wie Vorurteile und Rassismus spielen dabei eine Rolle. Für Lena Kaschner hat das eine persönliche Bedeutung. Die 16-Jährige stammt aus Thailand und berichtet, selbst mit rassistischen Vorurteilen gegenüber Menschen asiatischer Herkunft konfrontiert worden zu sein. Zivilcourage ist für sie deshalb ein wichtiger Bestandteil des gesellschaftlichen Miteinanders.

Genau diese Haltung findet sich auch in ihrem Entwurf wieder. Unter dem Motto „Statt still sei laut“ will Lena Menschen dazu bringen, nicht einfach zuzuschauen. „Dass man einfach nur nicht zugucken soll, wenn irgendwas passiert, dass man einfach den Mut fassen soll und dagegen was sagen könnte“, erklärt sie.

Ihre Botschaft bleibt nun nicht auf dem Papier. Der gestaltete Linienbus soll künftig durch die Metropolregion Hamburg fahren und dabei jeden Tag von zahlreichen Menschen gesehen werden. Und auch Lena selbst will Ausschau nach ihrem Kunstwerk halten. Was passiert, wenn ihr der eigene Bus irgendwann auf der Straße entgegenkommt, weiß die 16-Jährige schon: „Ich zück mein Handy, wenn ich den Bus sehe.“