Neuer Antrag: Seniorenbeirat kämpft um Hausbesuche

Neuer Antrag: Seniorenbeirat kämpft um Hausbesuche
Der Seniorenbeirat hat einen Antrag auf Fortführung der "Norderstedter Hausbesuche" gestellt

Norderstedt – Noch in diesem Jahr könnte Schluss sein mit dem „Norderstedter Hausbesuch“. Dabei ist das Angebot erst Anfang 2024 gestartet. Dabei bekommen Senioren erst Informationen zugeschickt und können anschließend eine kostenlose Beratung zu Hause in Anspruch nehmen – etwa zu Pflege, Wohnen, Gesundheit oder Freizeitangeboten. Bis Ende März wurden 388 ältere Menschen beraten. Trotzdem war die politische Mehrheit im Juni gegen eine Fortführung. Jetzt der neue Antrag des Seniorenbeirats.

“Wir möchten, dass die Norderstedter Hausbesuche ohne Unterbrechung weiter geführt werden. Also, dass nicht zwischendurch jetzt ein Stopp ist und wieder neu begonnen werden muss, sondern dass das ein fortlaufender Prozess ist”, sagt Christine Schmid, die Vorsitzende des Seniorenbeirats Norderstedt.
Die Verwaltung soll prüfen, ob andere Kostenträger über “Drittmittel” einen Teil der Finanzierung übernehmen können. Bislang waren 200.000 Euro pro Jahr für das Projekt eingeplant.
Schmid: “Unter Drittmittel verstehe ich zum Beispiel Fördermittel, die von den Krankenkassen genehmigt werden. Oder von den Pflegekassen. Die Pflegekassen haben auf jeden Fall ein Interesse, dass Senioren und Senioren nicht zu früh in die Pflegeheime gehen müssen. Wenn wir darüber Drittmittel bekämen, dann könnten die Haushaltsmittel reduziert werden, die normalerweise für dieses Projekt zur Verfügung standen.”

Genau an den Kosten hatte sich im Juni die Kritik entzündet – der finanzielle Aufwand stehe nicht im Verhältnis zum Nutzen. Der Seniorenbeirat hält dagegen. “Kosten-Nutzen-Rechnungen kann man bei diesen sozialen Projekten eigentlich gar nicht aufmachen.Der Effekt steckt darin, dass ich die Pflege erst viel später, also ich kann die Pflege hinauszögern.Eventuell sogar verhindern, wenn ich diese präventiven Maßnahmen durchführe. Weil die Menschen so umfassend beraten werden, dass sie Schritte unternehmen können, ihre Selbstständigkeit länger zu bewahren. Und dadurch werden die Pflegemittel nicht so früh abgerufen.
Der neue Antrag sieht deshalb auch konkrete Bedingungen für die Fortführung vor: Die aufsuchende Beratung soll erhalten bleiben. Alle Menschen ab 65 Jahren sollen weiterhin angeschrieben werden, 80-Jährige zusätzlich einen Geburtstagsgruß bekommen. Außerdem fordert der Seniorenbeirat qualifiziertes Fachpersonal – mindestens eine Vollzeitstelle.
Schmid: “Das sind für uns eigentlich so die Grundbedingung. Es muss eine bestimmte Basis geschaffen sein, um überhaupt diese Hausbesuche durchführen zu können. Wenn jetzt nur eine Vollzeitkraft genehmigt werden würde, dann wäre das schon eine große Hilfe. Man könnte wenigstens das Projekt, denke ich, weiterführen – vielleicht nicht im gleichen Umfang wie bisher.”
Ob der neue Antrag eine Mehrheit bekommt, entscheidet sich morgen Abend bei der Sitzung des Sozialausschusses.