Schulweg ohne Auto: Auf einem Pony zum Lernen

Schulweg ohne Auto: Auf einem Pony zum Lernen
Entspannt überquert Pony "Leo" mit Besitzerin Jenny Braun die Niendorfer Straße

Norderstedt – Wer in den vergangenen Tagen zufällig oder mitunter auch absichtlich zur Mittagszeit an der Grundschule Niendorfer Straße vorbeikam, der traute seinen Augen kaum: Da stand zwar kein Pferd auf dem Flur, aber immerhin ein Pony vor der Schule. Vierbeiner “Leo” gehört zu einem besonderen Bring- und Abholservice, dessen Geschichte so manch einem ein Lächeln aufs Gesicht zaubert.

Ein Uhr Mittags. Auf diesem Hof lebt Jenny Braun mit ihren drei Kindern – und das nicht allein. Ponys und Pferde sind für sie nicht nur Beruf, sondern vor allem auch Berufung. Und hier lernen wir ein ganz besonderes Pony kennen – Leo, 20 Jahre alt. Von seiner Besitzerin vor dem Tod gerettet: “Ich habe Leo vor drei Jahren übernommen, als er ganz schlimm an Asthma erkrankt war und eingeschläfert werden sollte”, erzählt Jenny Braun, die Inhaberin von “Hof Braun”. Und weiter: “Da ich mich mit meinem Hof auf chronisch-kranke Pferde spezialisiert habe, habe ich ihn dann übernommen und ihn soweit stabil gekriegt, dass er wieder voll reitbar ist”.

Eigentlich steht Leo sonst mit anderen Pferden gemeinsam auf der Koppel, nun wird er fertig gemacht für seinen heutigen Arbeitseinsatz. Denn statt mit dem Auto holt Jenny Braun eines ihrer Kinder mit dem Pony von der Schule ab. Eine Idee, die in der jetzigen Zeit gar nicht mal so abwegig erscheint. Braun: “Mit Leo mache ich das tatsächlich schon ein bisschen länger, dass ich meine Kinder abhole. Aktuell ist es wegen der Spritpreise. Das Pony muss eh bewegt werden. Bevor man dann das Auto anschmeißt, nehme ich das Pony.”

Knapp ein Kilometer lang ist die Strecke, die Jenny Braun mit “Leo” zurücklegen muss, bis sie an der Grundschule ankommt. In einem gleichmäßigen Rhythmus klappern die Hufe auf den Asphalt. Zeit, um auf dem Rücken ihres Ponys mal ein bisschen abzuschalten und zu entschleunigen. Tochter Juna freut sich, auf dem Rücken von Leo nach Hause zu reiten -es ist irgendwie auch ein Stück weit Lebensqualität. Zeit für Mutter und Tochter, um ungestört miteinander reden zu können, während der Wind sanft über die benachbarten Felder streicht. Mit dem Pony zur Schule ist nicht laut, nicht radikal – sondern einfach nur anders. Dabei gewinnt die Familie so viel – und das sind nicht nur die gesparten Benzinkosten.