Am Coppernicus-Gymnasium trifft Studium auf Praxis

Am Coppernicus-Gymnasium trifft Studium auf Praxis
Jugendliche informieren sich im Coppernicus-Gymnasium an den Ständen regionaler Unternehmen und Hochschulen

Norderstedt – Studieren, praktische Berufserfahrung sammeln und bereits eigenes Geld verdienen: Ein duales Studium verbindet das Lernen an einer Hochschule mit der Arbeit in einem Unternehmen. Wie dieses Modell funktioniert und welche Möglichkeiten es direkt in der Region gibt, erfuhren rund 200 Oberstufenschüler beim ersten Forum zum dualen Studium am Coppernicus-Gymnasium.

Die Schule hatte dafür regionale Arbeitgeber und Hochschulen eingeladen. Vertreten waren unter anderem die Stadt Norderstedt, die Stadtwerke Norderstedt, Lufthansa Technik, EDEKA, die Sparkasse Holstein und die Polizei. Auch die NORDAKADEMIE, die HSBA, die Duale Hochschule Schleswig-Holstein und die Fachhochschule Wedel stellten ihre Angebote vor.

Orientierung vor dem Schulabschluss

Organisiert wurde das Forum von Dr. Julia Kapraun, Koordinatorin für Berufsorientierung am Coppernicus-Gymnasium. Die Jugendlichen sollten sich nicht erst kurz vor dem Abitur mit möglichen Studiengängen und Berufsfeldern beschäftigen.

„Mein Ziel ist, dass die Schülerinnen und Schüler mit mehr Wissen aus der Veranstaltung gehen“, sagt Kapraun. Auch wenn jemand anschließend feststelle, dass ein duales Studium nicht zu ihm passe, sei das eine wichtige Erkenntnis für den weiteren Weg. Wie ein duales Studium konkret aufgebaut sein kann, erklärte Annabel Baxter, Senior Managerin für Bewerberrekrutierung und Unternehmenskooperationen an der HSBA. „An der HSBA ist es meistens Blockunterricht. Man ist drei Monate bei uns an der Hochschule und dann drei Monate im Unternehmen.“

Unternehmen suchen ihren Nachwuchs

Die vorgestellten Studiengänge reichten von Wirtschaft und Verwaltung bis zu IT und Technik. Lufthansa Technik informierte unter anderem über Maschinenbau, Flugzeugtechnik, Mechatronik und Elektrotechnik.

Bei den Stadtwerken Norderstedt gehören Wirtschaftsingenieurwesen, Green Technology und angewandte Künstliche Intelligenz zum Angebot. „Ganz wichtig ist eine hohe Motivation und Bock auf Energiewende“, sagt Ole Petersohn, dualer Student bei den Stadtwerken Norderstedt. Neben dem technischen Interesse komme es aus seiner Sicht auch auf Teamgeist an.

Die Sparkasse Holstein stellte ihr duales BWL-Studium vor, das mit einer Ausbildung zum Bankkaufmann oder zur Bankkauffrau verbunden werden kann. Gute Schulnoten allein seien bei einer Bewerbung jedoch nicht entscheidend. „Das Allerwichtigste ist, dass man mit Menschen umgehen kann. Das ist unser Kerngeschäft und unsere DNA“, erklärt Daniel Hahn, Filialleiter der Sparkasse Holstein in Tangstedt.

Viele Chancen, aber auch wachsender Druck

Die berufliche Ausgangslage für junge Menschen ist derzeit widersprüchlich. Im Kreis Segeberg waren im Juni 2026 insgesamt 768 jüngere Menschen arbeitslos. Das waren 173 mehr als ein Jahr zuvor. Gleichzeitig gab es weiterhin zahlreiche offene Ausbildungsplätze. Allein im Raum Norderstedt hatten Unternehmen 277 Ausbildungsstellen gemeldet, von denen im Juni noch 151 unbesetzt waren. Von 305 bei der Berufsberatung gemeldeten Bewerbern suchten zu diesem Zeitpunkt noch 148 nach einem Ausbildungsplatz. Die Zahlen deuten darauf hin, dass es nicht nur um die Menge der Angebote geht. Jugendliche und Betriebe müssen auch zueinanderfinden. Berufswunsch, Anforderungen, Qualifikation und verfügbare Stellen passen nicht automatisch zusammen.

Auch landesweit bleibt der Arbeitsmarkt verhalten. Im August 2026 waren in Schleswig-Holstein 97.800 Menschen arbeitslos. Die Quote lag bei 6,0 Prozent und damit leicht über dem Wert des Vorjahres. Gleichzeitig waren noch 4.095 Ausbildungsplätze unbesetzt, während 3.653 Bewerber weiterhin ohne Ausbildungsstelle waren. Für Jugendliche bedeutet diese Situation: Es gibt Möglichkeiten, aber auch Unsicherheit. Hinzu kommen Fragen nach der Finanzierung eines Studiums, den Zukunftsaussichten verschiedener Berufe und der Sorge, sich falsch zu entscheiden.

„Durch soziale Medien und das Internet gibt es so viele Möglichkeiten, dass viele überfordert sind“, sagt Kapraun. Sie beobachte, dass der Druck auf Jugendliche zunehme. Auch Mia Mirel, Schülerin am Coppernicus-Gymnasium, kennt diese Unsicherheit. Bis zum Abitur hat sie noch rund drei Jahre Zeit. Eine grobe Richtung hat sie bereits, festlegen möchte sie sich aber noch nicht. „Ich bin noch unsicher und weiß nicht genau, was ich machen möchte. Es geht aber eher in den betriebswirtschaftlichen Bereich.“

Die große Auswahl empfindet sie nicht nur als Vorteil: „Die Welt bietet 100.000 verschiedene Möglichkeiten. Da das Richtige für sich zu finden, ist sehr schwer.“

Gespräche statt fertiger Antworten

Das Forum sollte den Jugendlichen die Entscheidung nicht abnehmen. Es sollte ihnen einen Überblick geben, persönliche Gespräche ermöglichen und Kontakte zu Unternehmen und Hochschulen herstellen. Denn Berufsorientierung bedeutet nicht nur, den passenden Weg zu finden. Auch die Erkenntnis, dass ein bestimmtes Studium oder Berufsfeld nicht zu einem passt, kann ein wichtiger Schritt sein.